Stereotaxie (FNB, Mammotome, ABBI)
Stereotaxie, Stereotaktische Biopsie-Verfahren
Stereotaxie ist die Sammelbezeichnung für Biopsieverfahren von Herden ("Tumoren") unter Röntgenkontrolle, die nur mit der Mammographie zu lokalisieren (orten) sind. Haupteinsatzfeld ist verdächtiger (Mikro-)Kalk in der Brust. Der Herd wird durch zwei Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen dokumentiert und die Biopsien mit Computerunterstützung entnommen. Normalerweise wird die digitale Mammographie-Technik eingesetzt, da die Bilder sofort vorliegen und die Untersuchung somit wesentlich kürzer wird. Nur ältere normale Stereotaxiegeräte arbeiten noch mit Filmen.
Es gibt drei Stereotaxie-Verfahren. Sie unterscheiden sich im wesentlichen durch die Dicke der verwendeten Nadeln und die somit entnommenen Gewebemengen.
Entnahmeinstrument Dicke Proben
Stereotaktische
FNB Stanznadel 1,6 - 2,5 mm mehrere dünne Gewebezylinder,
je ca. 2 cm lang
VB mit dem
Mammotome Nadel mit seitlicher Öffnung, Probenentnahme durch Rotationsmesser unter Vakuum 4-5 mm mehrere dickere Gewebezylinder hintereinander, Entnahmekammer
ABBI System großlumiges Schneiderohr mit Vakuumunterstützung 6-20 mm größere Gewebemenge
bis zu 30 Gramm
zum Vergleich:
FNA
dünne Kanüle
0,5 mm
Einzelzellen und Zellverbände
Für alle Methoden sind spezielle (sehr teure) Röntgeneinrichtung erforderlich, die nur bei wenigen Spezialisten vorhanden sind.
Analog können auch Biopsien gesteuert durch Computertomographie (CT) und Kernspinmammographie (MRM) entnommen werden. Das CT spielt in der Brustdiagnostik allerdings keine Rolle. Für die Kernspintomographie gibt es Vorrichtungen zur MRM-gesteuerten Biopsie, die bei Herden eingesetzt werden können, die nur im MRM sichtbar sind. Dieses Verfahren ist aber nur in wenigen Mamma-Zentren verfügbar (z. B. Interdisziplinäres Mamma-Zentrum Esslingen).
Stereotaktische FNB
Bei erfahrenen Untersuchern sind Gewebeproben durch die stereotaktische FNB fast so sicher wie die komplette Herausnahme des auffälligen Röntgenbefundes durch Operation. Aus auffälligen Kalkarealen müssen unter Röntgenkontrolle mindestens 8 Proben entnommen werden, aus auffälligen Herdeschatten 3. Ein unauffälliges Ergebnis beweist hinreichend sicher die Gutartigkeit der Veränderung.Die Qualität der Ergebnisse bei der stereotaktischen FNB sind gut, da dieser Eingriff nur von sehr wenigen entsprechend ausgerüsteten und erfahrenen Untersuchern durchgeführt werden kann.Das Risiko, Krebszellen innerhalb der Brust zu verschleppen, ist bei der stereotaktischen FNB und VB nicht ganz auszuschließen. Metastasen entstehen dabei aber weder in der punktierten Brust noch im übrigen Körper.
Des Weiteren besteht ein geringes Risiko für Blutungen und Infektionen. Die Strahlendosis ist geringgradig erhöht, da mehrere zusätzliche Röntgenaufnahmen gemacht werden.
Die Schmerzen für die Patientin sind geringer als bei einer Blutentnahme aus der Vene. Allerdings muss die Patientin länger ruhig sitzen oder liegen mit zusammengedrückter Brust im Mammographiegerät. Ein winziger Hautschnitt und örtliche Betäubung sind nur bei dicken Kanülen (vgl. Mammotom-Biopsie) nötig.
Mammotome
(Biopsie unter Röntgenlokalisation, "geschlossene" Biopsiemethode)
Wie bei der stereotaktischen FNB geht es auch hierbei um Biopsien von Herden ("Tumoren") unter Röntgenkontrolle, die nur mit der Mammographie zu lokalisieren sind. Haupteinsatzfeld ist verdächtiger (Mikro-)Kalk und gutartige Knoten in der Brust. Der Herd wird durch Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen angepeilt und die Biopsien mit Computerunterstützung entnommen. Die Untersuchung erfolgt in Bauchlage. Eine spezielle Röntgeneinrichtung mit Tisch ist daher erforderlich, die nur bei wenigen Spezialisten vorhanden ist (z. Zt. ca. 50 in D). Bei nur wenigen Geräten (z. B. Giotto, IMS Italien) kann die Punktion im Liegen und Sitzen erfolgen, z. T. in Halbschräglage (z. B. bei Kyphosen der Wirbelsäule oder großem Bauch) (Abb. ).
Der Eingriff erfolgt mit einer relativ dicken Biopsie-Nadel. Deshalb ist das Mammotome eigentlich schon fast ein operatives Verfahren (semi-operativ).
Die Methode ist erst seit wenigen Jahren im Gebrauch, so dass nur eine geringe Zahl an Ärzten größere Erfahrung mit ihr haben. Bei erfahrenen Untersuchern ist das Verfahren bei Entnahme mehrerer Gewebeproben fast so sicher wie die komplette Herausnahme des auffälligen Röntgenbefundes durch Operation. Ein unauffälliges Ergebnis beweist hinreichend sicher die Gutartigkeit.
Nach heutigem Kenntnisstand bietet dieses Verfahren allerdings keinen Vorteil gegenüber der stereotaktischen FNB, die den deutlich kleineren und risikoärmeren Eingriff darstellt. Der Versuch, das System zur Entfernung ganzer Herde (Tumoren) einzusetzen und bei Bösartigkeit die operative Therapie zu ersetzen, wird von Pathologen heftig kritisiert. Denn der Tumor ist danach in seiner Struktur und insbesondere an den Rändern nicht mehr beurteilbar. Auch bei späterer Operation erschwert der größere Defekt durch die Biopsie die Beurteilbarkeit. Die Frage, ob der Tumor allseits im Gesunden entfernt wurde, ist oft nicht mehr zu beantworten.
Das Risiko, Krebszellen innerhalb der Brust zu verschleppen, ist bei diesem Verfahren genau wie bei der FNB nicht auszuschließen und wegen der dickeren Nadel möglicherweise geringgradig größer als bei der FNB. Intramammäre Metastasen entstehen dadurch nicht. Das Blutungs- und Infektionsrisiko ist etwas größer als bei der FNB.
Die Patientin muss über längere Zeit in Bauchlage mit zusammengedrückter Brust im Mammographiegerät liegen. Die Schmerzen sind geringer als bei einer Blutentnahme aus der Vene. Ein Hautschnitt und örtliche Betäubung sind nötig.
ABBI-System (Advanced Breast Biopsy Instrumentation)
(Biopsie unter Röntgenlokalisation, "halboffene" Biopsiemethode, immitiert offene Biopsie)
Dieses Biopsie-Verfahren wird mit einem relativ großlumigen (6-20 mm) Schneiderohr unter Röntgenkontrolle durchgeführt. Es wird eingesetzt bei Herden, die nur mit der Mammographie zu orten sind. Haupteinsatzfeld ist wiederum verdächtiger (Mikro-)Kalk in der Brust, aber auch kleinere Tumore. Wie auch bei den anderen stereotaktischen Verfahren wird der Herd durch Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen angepeilt und die Biopsien mit Computerunterstützung entnommen. Die Untersuchung erfolgt in Bauchlage. Eine spezielle Röntgeneinrichtung mit Tisch ist erforderlich, die nur bei sehr wenigen Spezialisten vorhanden ist . Wegen der sehr dicken Biopsie-Nadel (Rohr) ist das ABBI-System eigentlich schon ein operatives Verfahren (immitiert offene Biopsie). Eigentlich handelt es sich dabei um eine alte und verlassene Methode, die durch Kombination mit der digitalen Mammographie-Technik und einem Computer neu auf den Markt gebracht wurde.
Da die Methode in dieser Form erst seit wenigen Jahren im Gebrauch ist, haben nur wenige Untersucher größere Erfahrung damit. Bei erfahrenen Untersuchern sind Gewebeproben fast so sicher wie die komplette Herausnahme des auffälligen Röntgenbefundes durch Operation, vorausgesetzt es wurden aus dem auffälligen Herd mehrere Proben entnommen.
Das Risiko, Krebszellen zu verschleppen, ist bei diesem Verfahren wegen des großen Entnahmerohrs wahrscheinlich größer als bei den anderen Stererotaxieverfahren. Außerdem besteht ein hohes Blutungs- und Infektionsrisiko.
Die Schmerzen sind für die Patientin stärker als bei den anderen stereotaktischen Verfahren, der Hautschnitt ist im Vergleich außerdem je nach Rohrgröße größer. Eine örtliche Betäubung ist nötig.
Wie das Mammotome bietet das ABBI-System nach heutigem Kenntnisstand keinen Vorteil gegenüber der stereotaktischen Feinnadelbiopsie, die den deutlich kleineren und wesentlich risikoärmeren Eingriff darstellt. Die große Menge des entnommenen Gewebes (bis zu 30 Gramm) entspricht veralteten Forderungen für die Probeentnahme aus der Brust zu diagnostischen Zwecken. Zur reinen Diagnostik sind mehrere kleine Zylinder %u2013 entnommen durch eine stereotaktische FNB %u2013 völlig ausreichend. Versuche, das System zu Entfernung ganzer Herde (Tumoren) einzusetzen und bei Bösartigkeit die operative Therapie zu ersetzen, wird von Pathologen kritisiert. Denn der Tumor ist in seiner Struktur und insbesondere an den Rändern nach einem solchen Eingriff nicht mehr beurteilbar. Auch bei späterer Operation erschwert der große Defekt durch die Biopsie die Beurteilbarkeit. Die Frage, ob der Tumor allseits im Gesunden entfernt wurde, ist bei kleinen Tumoren möglich, bei größeren erschwert oder nicht mehr zu beantworten. Blutungen in die Wundhöhle sind kaum vermeidbar. Die Methode widerspricht nach heutigem Stand allen Regeln der Tumorchirurgie, nach denen ein bösariger Tumor unverletzt im Ganzen und mit gesundem Umgebungsgewebe entfernt werden muss.
Probeentnahme (PE), Diagnostische Entnahme (DE),
Histologische Klärung, Exstirpation
Probeentnahme (PE), Diagnostische Entnahme (DE) und Histologische Klärung sind Verfahren zur Diagnosestellung durch Entnahme einer Gewebeprobe mit anschließender histologischer Untersuchung unter dem Mikroskop. Im weiteren Sinne sind auch die modernen Methoden der "geschlossenen Biopsie" (z.B. FNA oder FNB) hierunter zu verstehen. Meist ist aber die Operation ("offene Biopsie") mit Exstirpation (Entfernung) gemeint, insbesondere als Empfehlung in Röntgenbefunden (Mammographie). Auch die Feinnadelaspiration ist im weiteren Sinne eine Probeentnahme (PE) oder eine Diagnostische Entnahme (DE). Da nur einzelne Zellen untersucht werden (Zytologie) ist sie keine histologische Klärung (Untersuchung von größeren Zellverbänden/Gewebe).
Eine PE oder DE zur Klärung der Dignität eines Knotens in der Brust ist obsolet. Operiert werden sollten nur noch bösartige Tumoren oder gutartige Veränderungen, wenn sie per Vakuumbiopsie nicht zu entfernen sind (Größe, Lage in der Brust) oder wenn durch eine vorangegangene FNA oder FNB Malignität nicht auszuschließen ist.
Es wird heute noch viel zu viel unnötig operiert!
Letzte Änderung: 25.01.2008 18:49:56 Uhr