Magnetresonanzmammographie
Magnetresonanzmammographie
Die Prognose des Mammakarzinoms hängt unter anderem von der Tumorausdehnung und damit zusammenhängend vom Lymphknotenstatus ab. Es besteht allgemein Übereinstimmung, dass jede diagnostische Möglichkeit wahrgenommen werden muss, um den Tumor in einem möglichst frühen Stadium zu erfassen.
Die Magnetresonanzmammographie (MRM) ist verglichen mit der Röntgenmammographie und der Sonographie ein relativ junges Verfahren in der Mammadiagnostik. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt sie das modernste aller Untersuchungsverfahren dar (neben der PET), das seine Kinderkrankheiten auskuriert hat.
Trotz der relativ kurzen Zeit, in der sich die Methode in der klinischen Anwendung befindet, haben sich sehr viele Arbeitsgruppen mit der Methode auseinandergesetzt, und es liegen bereits eine Vielzahl von Veröffentlichungen über ihre verschiedenen Einsatzmöglichkeiten in der Mammadiagnostik vor (Heywang-Köbrunner 1990, Huang et al. 2004, Kaiser 1993, Kuhl et al. 1995, 2000, Matzubajashi et al. 2000, Rosen et al. 2003 und andere mehr).
Seit Einführung der MRM in die bildgebende Mammadiagnostik wurde über Sinn und Unsinn des Verfahrens kontrovers diskutiert. Die Befürworter der Methode verweisen darauf, dass mit Hilfe der MRM Karzinome diagnostiziert werden können, die allen anderen etablierten bildgebenden Verfahren entgehen, und dass in dichten Brüsten Malignome mit hoher Zuverlässigkeit ausgeschlossen werden können. Ferner sind sie der Ansicht, dass sich die Ausbreitung der Tumoren in der kranken Brust bestimmen (unilokulär, multilokulär) und gleichzeitig die klinisch gesunde Brust mitbeurteilen lässt.
Die Gegner des Verfahrens führen die hohen Kosten ins Feld und bezweifeln eine Verbesserung der Prognose für die Patientinnen. Außerden kritisieren sie die hohen Raten falsch-positiver Befunde mit unter Umständen unnötigen Interventionen und Operationen (Allgayer et al. 1993, Fischer et al. 1993, Heywang-Köbrunner et al. 1989, 1994, Kaiser 1993, Zapf et al. 1991).
Im Rahmen einer Dissertation (Buyer 2002) wurden retrospektiv 623 MR-Mammographien des eigenen Arbeitskreises, also der Radiologischen Gemeinschaftspraxis Drs. Arnold, König, Tremmel, Pruß (Esslingen), ausgewertet, die in Kooperation mit dem Interdisziplinären Mammazentrums Esslingen (IMZE) angefertigt und in die bildgebende Mammadiagnostik (Mammographie und Sonographie) integriert worden waren. Es wurde der Frage nachgegangen, ob der Einsatz der MRM eine sinnvolle Mehrinformation liefert oder einen kostentreibenden, unnötigen Aufwand darstellt. Frau Buyer kam zu folgenden Ergebnissen: 566-mal (90%) lieferte die MRM diagnostisch relevante Zusatzinformationen, insbesondere beim Tumor-Staging, bei strahlendichten Brüsten junger risikobelasteter Frauen, bei der Differenzierung von Narben und Lokalrezidiven (vgl. nachfolgende Abbildung) sowie im Rahmen primärer (neoadjuvanter) Chemotherapien. Die dynamische MRM erreichte in der vorliegenden Studie eine Sensitivität von 84,2% und eine Spezifität von 93,8% - eine Zahl, der mit gewisser Skepsis begegnet werden muss. Sie ist durch die übrigen bildgebenden Verfahren stark beeinflusst. Aber die MRM soll ja nicht per se, sondern stets im Kontext der gesamten Mammadiagnostik bewertet werden.
Abbildung fehlt!!!!!
Achtzehn von 86 Karzinomen (20%) waren mammographisch okkult und nur mittels MRM sichtbar. In 20 unklaren Fällen wurden ein Mammakarzinom durch die MRM verifiziert und dessen Ausdehnung dargestellt, außerdem bei 86 gesicherten Mammakarzinomen präoperativ ein Staging durchgeführt. Dabei fand sich 32-mal (37%) ein multilokuläres Wachstum, das sich operativ bestätigte, so dass von einer brusterhaltenden Operation Abstand genommen wurde. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich um ein selektiertes Untersuchungsgut mit relativ großen Tumoren handelte.
Bei 136 Frauen mit Voroperationen konnte zwischen Narbe und Karzinom/Lokalrezidiv differenziert werden, was mammographisch nicht möglich war. Zwischenzeitlich werden bei dieser Fragestellung mehr und mehr digital-stereotaktische FNB und VB durchgeführt.
Bei 338 Frauen mit strahlendichten und mammographisch nicht sicher beurteilbaren Drüsenkörpern sowie bei mammographischen Veränderungen und unklarer Dignität wurde durch die MRM ein Karzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, besonders bei Frauen mit Karzinophobie und erhöhtem familiären Brustkrebsrisiko. Insgesamt erwies sich die MRM als wertvolle Erweiterung in der Mammadiagnostik und wird im eigenen Arbeitskreis beim Tumor-Staging gesicherter Karzinome regelmäßig durchgeführt.
Letzte Änderung: 25.01.2008 18:33:09 Uhr