SLN - Das Konzept
SLN - Das Konzept
Das Konzept des Wächterlymphknotens (SLN) besagt, dass ein primär lymphatisch metastasierender Tumor zuerst in den Wächterlymphknoten im Abstromgebiet seine Lymphe drainiert. Damit ist dieser auch der Ort mit der wahrscheinlichsten Metastasierung.
Wird der identifizierte SLN nach allen modernen histologischen und histochemischen Methoden aufgearbeitet, kann ein Tumorbefall in über 90 % bestätigt oder ausgeschlossen werden.
Mit einer einfachen minimalinvasiven Biopsie kann dann u. U. das Lymphknotenstaging erfolgen.
Beim malignen Melanom wird angenommen, das der SLN ein zuverlässiger Vorhersageparameter für eine lymphogene Metastasierung sein kann.
Beim Mammacarcinom kann nach histologischer Aufarbeitung und negativem Tumorbefall des SLN auf die Axillaausräumung als Stagingverfahren verzichtet werden, wenn bestimmte Ausschlusskriterien (kein Tumornachweis in der Axilla, pT1, nicht voroperiert) erfüllt sind.
D. h. die Bedingungen für ein zuverlässiges Ergebnis sind: frühes Tumorstadium, kein Axillabefall, keine Verwachsungen, oder größeren Narben in der Brust, keine vorausgegangene Chemotherapie.
Eine Axilladissektion hat sehr häufig eine lebenslange Störung des Lymphabflusses mit Ödem zur Folge.
Auch beim Prostatakarzinom kann diese Methode die Frage nach Lymphknotenbefall beantworten und die Rate ausgedehnter Lymphknotenentfernung im Becken reduzieren helfen.
Schon 1977 wurde die Methode mit Hilfe von Patentblau, welches in die Tumorumgebung gespritzt wurde, bei malignem Melanom ausprobiert. (Hohe Rate falsch negativer Befunde)
Bald wurden zusätzlich radioaktiv markiertes Kolloid und kleine, OP-fähige Gammasonden eingeführt.
Voraussetzung für das Gelingen ist ein ungestörter Lymphabfluss im Untersuchungsgebiet und die Speicherfähigkeit der Lymphknoten für das Radiopharmakon.
Kontraindiziert ist diese Methode deshalb bei:
- fortgeschrittenem Tumorstadium
- gestörtem Lymphabfluss durch Voroperationen
- knotige Veränderungen mit narbigen Verziehungen
- große, derbe Lymphknoten-Pakete (sind meist tumorinfiltriert und nehmen das Pharmakon nicht mehr auf)
- tastbare Achsellymphknoten oder axillärer Tumor
Letzte Änderung: 25.01.2008 16:46:52 Uhr