Chemotherapien bei Brustkrebs zählen zu den systemischen Behandlungen. Das bedeutet, die eingesetzten Medikamente wirken
nicht in einem bestimmten Organ, sondern im gesamten Körper.1 Eine Chemotherapie dient dazu, die Zellteilung zu verhindern,
um einen bestehenden Tumor zu verkleinern, das Wachstum zu verlangsamen oder Metastasen abzutöten. Dadurch kann zum
Beispiel das Rückfallrisiko verringert werden.1,2
Bei einer Chemotherapie können verschiedene Wirkstoffe eingesetzt werden, die das Wachstum der Zellen hemmen und die normale Zellteilung verhindern. Diese Substanzen nennt man Zytostatika, was so viel wie „Zellstopper“ bedeutet. Je schneller sich eine Zelle teilt, desto stärker wirken die Zytostatika auf sie ein. Da sich Tumorzellen in der Regel sehr schnell teilen, reagieren sie empfindlicher auf Zytostatika als gesunde Zellen, die sich langsam oder gar nicht teilen.
Die bekannten Nebenwirkungen einer Chemotherapie wie zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall entstehen dadurch, dass sich die Zellen der Magenschleimhaut bzw. der Haarwurzeln ebenfalls schnell teilen und damit stärker von der Chemotherapie betroffen sind als andere gesunde Zellen, die sich nur langsam teilen.2 Auch Fatigue gehört zu den Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Sie zeichnet sich durch anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung, Schwäche und Lustlosigkeit aus. Schlaf und Erholungsphasen können die mangelnde Energie nicht ausgleichen.3,4
Eine Chemotherapie kann sowohl vor einer Operation, auch neoadjuvant genannt, eingesetzt werden als auch nach einer Operation, was als adjuvant bezeichnet wird.2
Für die Behandlung werden abhängig von der individuellen Situation meist mehrere Zytostatika gleichzeitig oder nacheinander eingesetzt, die das Wachstum der Tumoren auf unterschiedliche Weise stören. Die Kombination von mehreren Substanzen kann zu einer Verstärkung der Wirkung führen.1
Ob eine Chemotherapie für Betroffene sinnvoll ist, beurteilen Mediziner:innen anhand verschiedener Gesichtspunkte. Folgende Faktoren können eine Rolle spielen:1
Wenn eine Chemotherapie Teil des Behandlungsplans ist, kann Betroffenen mit einem frühen Brustkrebsstadium eine neoadjuvante Therapie empfohlen werden. Bei Patient:innen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs und einem hohen Rückfallrisiko kann nach der Chemotherapie eine Antihormontherapie zum Einsatz kommen. Für Patient:innen mit HER2-positivem Brustkrebs besteht die Möglichkeit einer Chemotherapie zusammen mit einer Antikörpertherapie gegen HER2. Nicht alle Patient:innen mit frühem Brustkrebs benötigen zwangsläufig eine Chemotherapie. Wenn sicher ist, dass nur ein geringes Risiko für einen Rückfall besteht, können andere Optionen als Therapie infrage kommen. Bei Patient:innen mit großen, schnell wachsenden Tumoren bei denen eine direkte Operation nicht möglich ist, kann eine neoadjuvante Chemotherapie dazu führen, dass die Tumoren besser kontrolliert und operiert werden können.2
Was ist Hormonrezeptor-positiver Brustkrebs? Was ist HER2-positiver Brustkrebs?Der Einsatz einer Chemotherapie ist auch bei fortgeschrittenem bzw. metastasiertem Brustkrebs möglich. Sind weitere Organe von Metastasen befallen, die zu deutlichen Beschwerden führen, oder droht sogar ein Organversagen, kann eine Chemotherapie sinnvoll sein. Wenn der Tumor Hormonrezeptor-negativ ist und keine anderen speziellen Tumoreigenschaften aufweist oder Antihormontherapien bei einem Hormonrezepter-positiven Tumor nicht mehr die gewünschte Wirkung zeigen, kommt ebenfalls eine Chemotherapie in Betracht.2
Bei manchen Patient:innen ist es schwierig, das Rückfallrisiko durch klinische und pathologische Kriterien einzuschätzen. In diesen Fällen kann ein Genexpressionstest dabei helfen, das Vorhandensein bestimmter Gene im Tumorgewebe zu untersuchen und so das Risiko eines Rückfalls besser beurteilen zu können. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Genexpressionstests nur unter bestimmten Voraussetzung bei Patient:innen mit frühem Brustkrebs.1
Eine Chemotherapie zur Senkung des Rückfallrisikos dauert meist zwischen 18 und 24 Wochen und ist in mehrere Zyklen unterteilt.
Jeder Zyklus beginnt mit einer Infusion, die in der Regel ambulant in einem Krankenhaus oder einer spezialisierten Praxis verabreicht wird. Für die meisten Patient:innen ist ein stationärer Aufenthalt nicht notwendig. Die Infusionen werden in festgelegten Abständen verabreicht. Dazwischen liegen Erholungsphasen, damit sich das gesunde Gewebe und die Organe von der Behandlung erholen können. Für die Krebszellen ist die Pause in der Regel zu kurz für eine Erholung. Diese Abfolge von Therapie und Pause wird so häufig wiederholt, wie es im individuell angepassten Behandlungsschema festgelegt wurde.1
Bei einem erhöhten Rückfallrisiko kann eine dosisdichte und/oder dosisintensivierte Chemotherapie in Frage kommen. Mit dosisdicht ist eine Infusionsgabe in kürzeren Abständen gemeint, dosisintensiviert bezeichnet die höhere Dosierung einer Infusion. Dadurch soll der Tumor schneller unter Kontrolle gebracht werden.1
Wird eine Chemotherapie zur palliativen Behandlung von metastasiertem Brustkrebs eingesetzt, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Die Behandlung kann mit Infusionen in aufeinander folgenden Zyklen durchgeführt werden. Abhängig von der individuellen Situation stehen Betroffenen auch Zytostatika zur oralen Einnahme zur Verfügung. In vielen Fällen reicht die Therapie mit einem Zytostatikum (Monotherapie), um das Fortschreiten der Erkrankung für eine Zeit aufzuhalten oder zu verlangsamen. Die Dauer der Behandlung ist davon abhängig, wie lange sie ein Fortschreiten bremsen kann. Nutzen und Nebenwirkungen sollten hier gut abgewogen werden, da bei einer längeren Behandlung auch entsprechend länger mit Nebenwirkungen gerechnet werden kann.1
Ein Port ist ein dauerhafter Venenzugang, der regelmä unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt. Sobald er eingeheilt ist, kann er für Infusionen genutzt werden, indem die Infusionsnadel durch die Haut über dem Port gestochen wird. Dadurch muss nicht bei jeder Infusion nach einer Vene gesucht werden und auch das Risiko für Venenentzündungen verringert sich. Für viele ist dieses Vorgehen auch weniger schmerzhaft.1
Die Kosten für eine Krebsbehandlung und damit auch für eine Chemotherapie tragen die Krankenkassen.7
ObenDE-81055/05-2025